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Eine Nagelfluh und ihre Gesteine
Nur eine Nagelfluh-Felswand! Nichts besonderes, davon gibt es im Appenzellerland viele! Stimmt, aber wenn man ihr und ihrem Inhalt auf den Grund geht, so erkennt man, dass sie eine höchst bewegte Vergangenheit hat. Lassen wir sie berichten, was zu ihrer heutigen Erscheinung geführt hat.
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1 Herkunft der Nagelfluh-Gerölle Die Vielfalt und die Arten der Gerölle lassen auf ihren Ursprung schliessen. Es sind alles Gesteine, die in den Alpen heute auch vorkommen. Sie müssen deshalb aus den Alpen stammen und zwar aus der Frühzeit der Gebirgsentstehung. Eine Auswahl an Geröllen, die alle aus dieser Felswand entnommen worden sind, ist in der Plexiglasröhre ausgestellt mit Gesteinsnamen, Materialinhalt, Alter und Gebiet, wo sie heute anzutreffen sind.
2 Gerölle und Sand Die meisten Steine sind gut zugerundet. Beim Fliesswasser-Transport erhalten sie durch gegenseitiges Reiben rundliche Form. Urflüsse aus den Alpen besorgten den Transport, auch des Sandes. Dieses Lockermaterial wurde auf einem riesigen Schuttfächer im Vorland der jungen Alpen abgelagert. In der Geologie bezeichnet man diese Epoche als Molassezeit. Die Kartendarstellung zeigt die geographischen Verhältnisse vor 25 Mio Jahre .
3 Vom Lockermaterial zum Gestein Zur Zeit der Ablagerung der Molasse wurde Schicht um Schicht übereinander sedimentiert. Dabei standen 25 Mio. Jahre zur Verfügung, eine unvorstellbar lange Periode. Ein Vergleich: Seit der Gründung der Eidgenossenschaft 1291 sind gute 700 Jahre verflossen. Das ergibt 36'000 mal das Alter der Schweiz. Auch das ist kaum vorstellbar. Der ganze Zeitraum wird in Untere und Obere Meeresmolasse und in Untere und Obere Süsswassermolasse unterteilt, denn der Schutt aus den Alpen wurde entweder in ein untiefes Meer oder auf einer Ebene abgesetzt. Unsere Nagelfluh gehört zur Unteren Süsswassermolasse (USM), die allein etwa 3000 m mächtig ist. Darüber folgten nochmals um die 3000 m Sedimente (OMM, OSM). Die Tabelle der geologischen Entwicklung gibt darüber Auskunft. Die Lockersedimente wurden durch den gewaltigen Druck der überlagernden Schichten zusammengepresst und mit Kalkausscheidungen noch weiter verfestigt.
4 Gebirgsbildung Vor 15-5 Mio Jahren Jahren wurde während der Alpenbildung der Alpstein bis auf die Molasse vorgeschoben. Die mittlerweile Gestein gewordene Molasse zerbrach wegen der riesigen Überlast in Pakete, die dann übereinander gestapelt und schräg aufgerichtet worden sind. Unsere Naglefluh ist Teil der Gäbris-Hundwiler Höhi-Zone. Schliesslich wurde alles noch um rund 1000 m in die Höhe gehoben. Das gesamte Appenzellerland ist damit zum Voralpen-Bergland geworden, dem der Alpstein als alpines Frontgebirge auflagert (vergleiche Bauplan).
5 Die Nagelfluh wird freigelegt Schon während sowie nach der Gebirgsbildung begannen Flüsse und Bäche an den Bergen und Abhängen ihre Täler einzuschneiden. Die Gletscher der Eiszeiten weiteten die grossen Täler wie das Sittertal aus. Auch heute arbeiten sich die Fliessgewässer weiter in die Tiefe. Hier an dieser Stelle hat der Bach von der Clanx herunter ein Erosionstobel angelegt und dabei unsere Nagelfluh als Felswand offen gelegt. |